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Editha Pröbstle

Editha Pröbstle (* 1948 in Scheer a. d. Donau) ist eine deutscheGrafikerin und Bildhauerin.

Leben

Dem Abitur in Albstadt-Ebingen folgte ein Pädagogik-Studium in Reutlingen, anschließend war Editha Pröbstle Lehrerin für Grund- und Hauptschulen. Nach einem Aufbaustudium in den Fächern Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Stuttgart und an den Kunstakademien Stuttgart und Düsseldorf, unter anderem bei Rolf Sackenheim und Joseph Beuys, lebt und arbeitet sie heute in Koblenz-Ehrenbreitstein[1] und in Süddeutschland.

Werk

Pröbstle arbeitet mit handgedrucktem Farbholzschnitt, Zeichnung, Skulptur und Bronzeplastik in Werkzyklen. Ihre Werke entstehen für den Innen wie den Außenraum. Sie zeigt ihre Arbeiten bei Bundesgartenschauen und zugunsten der Organisation terre des femmes,[2] und stellt thematische Wanderausstellungen zusammen.[3] In den Jahren 1992 bis 1997 entstanden Serien von Drucken über die Rolle der Frau, mit dem Titel Anna, Berta, Caeferine.[4] 1994 befasste sie sich im Zyklus Bibel, Frauen mit Frauenfiguren aus der Bibel. Im Jahr 1995 entstand die berufsbezogene Serie Handwerkskiste.[5][6] Diese Arbeit, ein Zyklus von 101 Farbholzschnitten, ist im Guiness-Buch der Rekorde als „größer monothematischer Holzschnittzyklus seit mehreren Jahrhunderten“ aufgeführt.[7][8]

Pröbstles Werk zeichnet sich durch seine Vielfalt aus: sie sucht immer wieder neue Formate für ihre Arbeit. So entwickelt sie spielerische Formcollagen, vollplastische Gebilde, denen der Holzschnitt zugrundeliegt, die sie begrifflich schützen lässt, dazu zählen die Arbeiten Klappraden und KUULlus.[9] Sie sucht in ihren Titeln und Wortkreationen häufig die Nähe zur Literatur, besonders zu Clemens Brentano und Johann Wolfgang von Goethe. So bezieht sie sich direkt auf Brentanos Gockelmärchen und Rheinmärchen.[10] Wolfgang Bunzel, der Leiter der Brentano-Abteilung des Frankfurter Goethe-Hauses bezeichnete „insbesondere die Klappraden“ als „markant für ihren Stil“. Das Werk sei „eine von Editha Pröbstle neu entwickelte Form, die den zweidimensionalen Holzschnitt in die dritte Dimension“ überführe. Die Holzschnitte seien gefächert angeordnet, um die Perspektive des Betrachters zu erweitern. Diese Zweidimensionalität finde sich auch in ihren Bildmotiven.[11]

Als literarische Analogie hingegen sei der Titel Goethe, eine unschickliche Beziehung für eine ihrer Klappraden zu verstehen. „In vielen Arbeiten von Editha Pröbstle lassen sich Bezüge auf literarische Texte und Figuren der Literaturgeschichte erkennen. Durch sie gewinnen die Skulpturen eine weitere Bedeutungsdimension, nimmt so doch das geschriebene bzw. gedruckte Wort bildkünstlerische Gestalt an“, so Bunzel.[11]

Seit 1981 ist Editha Pröbstle Mitglied der Gruppe XYLON, der internationalen Vereinigung der Holzschneider.[6][12]

Preise und Stipendien

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2007: Kontraste. Xylon-Museum und Werkstätten, Schwetzingen[13]
  • 2008: R(h)ein (ge)blätter(t). Landesgartenschau, Bingen
  • 2009: Positionen des Holzschnitts heute: Felix Dieckmann, Felix M. Futhwängler, Rolf Kuhrt, Editha Pröbstle. Kunstverein Coburg[14]
  • 2010: Edithmartische Blicke. Kunstverein Bad Homburg[15]
  • 2011: Die KUULlus® der Editha Pröbstle. Bundesgartenschau Koblenz[16][17]
  • 2012: Goethehaus, Frankfurt am Main[18]
  • 2013: Editha Pröbstle. Médiathèque Jean Jaurès, Ville de Nevers (Frankreich)[19]
  • 2013: Editha Pröbstle: Weltenbummler. Städtische Galerie Haus Seel, Siegen[20]
  • 2014: Landesgartenschau, Schwäbisch Gmünd[21]
  • 2017: MuBa, Messe Basel[22]
  • 2017: Landtag Baden-Württemberg Stuttgart[23][24][25]
  • 2017: Weltenbummler. Kunstverein Güglingen, Rathaus, Güglingen[26]
  • 2018: Editha Pröbstle. Gesellschaft für Kunst und Kultur, Sigmaringen[27]
  • 2018/19: Holzschnitt Now! XYLON Deutschland und Schweiz mit Gästen, Kunstmuseum Reutlingen / Galerie, in Kooperation mit dem Kunstverein Reutlingen[28]
  • 2019: Spiegelung der gefächerten Freude: Editha Pröbstle. Mainzer Volksbank[29]

Publikationen

  • Anna, Berta, Ceferine ... Das Frauenbild in unserer Gesellschaft. Holzschnitte, Klappraden, Gouachen. Martin-Verlag, Koblenz 1992.
  • Editha Pröbstle, diverse Autoren, BibelFrauen, 22 Farbholzschnitte (Untertitel auf dem Innentitel), Erstausgabe 1995, ISBN 3-928213-04-0.
  • zus. m. Eva Hauser: Handwerkskiste. Martin-Verlag, Koblenz 1997, ISBN 978-3-0000-1123-8.
  • Georg Gauggel: Enkelgedichte. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-7995-1677-8.
  • Auf Mörikes Spuren: Und wärs auch nur in Scheer. Gedichte und Briefe von Eduard Mörike und 12 Farbholzschnitte von Editha Pröbstle. 2. Aufl., Martin-Verlag, Koblenz 1999, ISBN 3-00-002786-6.
  • Clemens Brentano: Das Märchen von Rosenblättchen. Martin-Verlag, Koblenz 2005, ISBN 978-3-00-015636-6.

Weiterführende Literatur

  • Lieselotte Sauer-Kaulbach: Voll Schwung und Phantasie. Besuch bei Editha Pröbstle-Bierschenk. In: Rhein-Zeitung, Ausgabe B, Nr. 49 vom 27./28. Februar 1993, S. 37.
  • Wolfgang Kroener: R(h)ein geblickt: die neue Jahresgrafik ... von Editha Pröbstle geschaffen ... In: Rhein-Zeitung, Nr. 57 (2002), 266 vom 16./17. November – Ill. – (Journal).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. „Das Märchen von dem Murmeltier“ hat hohe Aktualität. In: blick-aktuell.de. Krupp Verlag, 11. Dezember 2013, abgerufen am 11. Februar 2021.
  2. TDF-Webredaktion: TERRE DES FEMMES - Menschenrechte für die Frau e.V. - Vereinsgeschichte. Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  3. „Wunderlinge“ im Rathaus-Foyer. 21. März 2017, abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  4. SK: Scheer: Scheerer Künstlerin Editha Pröbstle stellt ihre Werke aus. 19. März 2017, abgerufen am 11. Februar 2021.
  5. Führung und Lesung mit Musik. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  6. abKultVries - Kulturmanagement. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  7. Handwerkskiste. Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  8. Kunst im öffentlichen Raum Rheinland-Pfalz
  9. Redaktion: Literatur Gestalt geben. In: Lokale Nachrichten aus Mainz und Rheinhessen. 16. Februar 2019, abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  10. Echo Zeitungen GmbH: Katzenaffen, Kaffee und Goethes geächtete Geliebte - Echo Online. 19. Februar 2019, abgerufen am 11. Februar 2021.
  11. abRedaktion: Literatur Gestalt geben. In: Lokale Nachrichten aus Mainz und Rheinhessen. 16. Februar 2019, abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  12. Xylon Editha Pröbstle. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  13. XYLON Museum + Werkstaetten Schwetzingen. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  14. Jahresprogramm Kunstverein Coburg e.v. - PDF Kostenfreier Download. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  15. https://www.taunus-nachrichten.de/system/files/content/epaper/2019/bad_homburger_woche_100609.pdf
  16. Yumpu.com: ausstellung-die-kuullusr-der-editha-probstle-15-april-bis-1-mai-. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  17. Soviel Kultur braucht die Region. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  18. Hänsel und Gretel im Bilderwald — Goethehaus Frankfurt. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  19. Mit den Klappraden auch „die Zeit“ erobert. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  20. Städtische Galerie Haus Seel Ausstellung:Editha Pröbstle: Weltenbummler - KULTURpur. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  21. Südwest Presse Online-Dienste GmbH: Abschied von den "Klappraden". 11. November 2014, abgerufen am 11. Februar 2021.
  22. Brigitta Leupin - Galeristin - Kunst - Konzepte - Koordination. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  23. Editha Pröbstle stellt im Landtag aus. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  24. Amtsblatt. Freitag, den 3. März 2017 Nummer 9. Amtliche Bekanntmachungen - PDF Kostenfreier Download. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  25. Inhaltsverzeichnis Südkurier vom 20.03.2017, Seite 5. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  26. Heilbronner Stimme GmbH & Co KG: Editha Pröbstle - „Weltenbummler“: Vernissage. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  27. EDITHA Pröbstle. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  28. Kunstmuseum Reutlingen. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  29. Euroadmin: Kunstausstellung »Spiegelung der gefächerten Freude« in der Mainzer Volksbank eröffnet. In: Rhein-Main.Eurokunst. Abgerufen am 11. Februar 2021.
EDITHA Pröbstle
Meine Werke
Über mich

Gedanken aus Eröffnungsveranstaltungen...

Dr. Gerhard Kolberg, Museum Ludwig, Köln anlässlich der Vernissage in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz, 1995 in Bonn
.. in einer Kölner Ausstellung habe ich das Phänomen „Klapprade“ vorgestellt. Der Begriff ist sogar inzwischen gesetzlich geschützt. Er bezeichnet einige flächenhafte Elemente, die man zusammensteckt und die sich dann zu einer puzzleartigen Plastik, einer Klapprade, entwickelt. Der figurative Zuschnitt verschiedener Motive geben viel zu entdecken. Wer die Klappraden begreifen will, muss sich zum Teil tief bücken, muss sie umschreiten, um hinter die gestalterischen Geheimnisse von EDITHA zu kommen. Wer eine solche Klapprade von EDITHA besitzt, muss auch sicherlich Humor besitzen, wie es einer ihrer Titel „ die Bonner Bauchbinde“ verrät und dort gestalterisch kreativ sich mit verschiedenen Variationen des Umsteckens oder neu Ordnens sich beschäftigt. Auf ihren visuellen und gedanklichen Wegen möchte ich sie aber alleine durch die farbigen Holzschnitt-Imaginationen von EDITHA Pröbstle schicken, denn ich möchte ihre Aufmerksamkeit auf die Bildhauerin EDITHA Pröbstle lenken. Schon damals waren wir von den wenigen kleinen Bronzeplastiken der Künstlerin begeistert gewesen…

Jutta de Vries, Kunstverein Stade
anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Ein Stückchen von EDITHA“ in der Staatskanzlei Mainz, 7. September 2000
…spätestens seit Joseph Beuys – der übrigens für kurze Zeit Edithas Lehrer an der Düsseldorfer Akademie war – wissen wir ja, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Uns so wird durch Ihr energetisches kompositorisches Handeln ein Kunstwerk, eine Klapprade, entstehen, die für diesen Abend und das Thema dieser Ausstellung ein Zeichen setzt – und die es danach nie wieder geben wird, da Ihr „Stückchen von Editha“ ein Geschenk ist, das Sie heute Abend mitnehmen dürfen….Und Edithas Kunst ist ein Ereignis, meine Herren und Damen. Neben den Zeichnungen, Gouachen, Holzschnitten und Bronzen sind es unzweifelhaft die Klappraden, die unsere besondere Aufmerksamkeit haben, diese aufreizenden Gebilde, die Edithas ureigen Bild-Erfindung sind. Klapprade heißt Übertragung des Holzschnitts, der Collage, der Zeichenspur und der farbigen Fläche in die Dreidimensionalität; mit dem Prinzip Assemblage gelingt der bewegliche Sprung der unterschiedlich geformten Einzelteile. Sie haben ja alle so ein „Stückchen“ – zu variabler Gestaltung von körperhaftem Aufbau und dem ihn umgebenden und durchdringenden Raum. Trotz des kompakten Basismaterials Holz, auf das die handabgezogenen Holzschnitte aufkaschiert sind, wohnt diesen dramatisch bewegten Gebilden eine luftige Heiterkeit inne. Die Entdeckung der Leichtigkeit wird noch durch andere Faktoren gefördert – da sind die Farbharmonien in poröser valeuristischer Lasur, die saftigen Farbkontraste in hartem Gegeneinander, die grafischen Gespinste, die einander vielfältig überlagern und aus Schrift- und Gegenstandskürzel auf den ersten Blick in die Abstraktion führen. Erst bei genauem Augenschein erkennt man den bedeutungsstarken Gegenstandbezug, dessen gesellschaftliche Aktualität oder historische Reminiszenz stets eine Fülle von Informationen, Geschichten und Schmunzelmomenten für den Betrachter bereithält…

Dr. Thomas Köllhofer, Mannheimer Kunsthalle anlässlich einer Eröffnung im Schloss ob Ellwangen, Kunstverein Ellwangen, Juli 2001
…Die Künstlerin schafft Farbholzschnitte, die sie dann in bestimmten Formen ausschneidet und auf dünnen Holzplatten kaschiert. Betrachtet man sich die auf der Einladungskarte abgedruckte Arbeit „Jahre rückwärts gesehen“, so werden wir unschwer gewahr, dass die Formen vorher bestimmt sind und sich nicht rein zufällig ergeben. Die Räder sind Räder und alle anderen Elemente erinnern durch die Form an eine ursprüngliche Funktionalität von Gegenständen eines Autos. Und doch sieht das ganze eher aus wie ein archaisches Vehikel, wie irgendetwas, was auf fast unerklärliche Weise mal zum Fahren getaugt haben könnte. …allerdings wird bei Editha Pröbstle alles Gegenständliche dinglich gebunden. Die Bilder der gesamten Erscheinungen aber sind in ihrer Formensprache meist so reduziert, dass sie an das vereinfachte Vokabular kindlicher Bildsprachen erinnert. So haben die einzelnen Elemente einer 1989 entstanden Klapprade „Schirmfrauschaften“ die Formen von aufgeklappten Schirmen, deren Bild sich aber auch zu Faltern oder anderen Assoziationen wandeln kann. Die derart scheinbar aus einer größeren Form geschnittenen Elemente spielen interessanter Weise mit einem Bildvokabular das wiederum ganz dem Holz- und Linolschnitt, also den flächigen Hochdrucktechniken eigen ist. Es ist dies das freistehen einzelner Bildvokabeln vor der gesamten Fläche. Das Schneiden, zerteilen und vereinzeln der Bildelemente spielt bei den Klappaden von Editha Pröbstle eine zentrale Rolle. Die Künstlerin findet sich nicht mit der Zweidimensionalität des Holzschnittes ab. Indem sie die Farbholzschnitte auf in eigenen Formen gebrachte Holzplatten kachiert, diese dann in einem räumlichen Stecksystem zusammenfügt, greift sie in den Raum, schafft sie Objekte, die sich zwischen der Fläche und dem ganz dinglich gefüllten Raum bewegen. Sie greift das älteste Problem des Holzschnittes, die Flächigkeit auf, betont es einerseits durch den scherenschnitthaften Charakter der Einzelelemente und löst es aber auch auf, indem sie diese Flächen dann zu dreidimensionalen Ensembles zusammenstellt.
Editha Pröbstle ist damit noch lange nicht am Ende eines spielerischen Umgangs mit alten Gattungsbegriffen.
(mehr davon können Sie im Klappradenkatalog lesen..)

Dr. Regina Erbentraut, Museum Schloss Güstrow anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Spiegelung der gefächerten Freude“ (Literatur) in Düsseldorf-Kaiserwerth, 12. Oktober 2002
…nie verzichtet Editha Pröbstle auf das titelgebende Wort, auf einen Verb als schöpferischen Kurzkommentar, auf einen kleinen Schubs für die Betrachterfantasie. Man wird keiner Arbeit von ihr begegnen, die auf der Ausstellungsbeschilderung mit „Komposition Nr. 5“ oder gar „ohne Titel“ bezeichnet wäre. Sprachspiel und phonetische Lust sind gewissermaßen das Tüpfelchen auf dem I ihrer Kunst. Die Werktitel verstehen sich als Einladung zu freiem Gedankenspiel, ähnlich wie ihre seit 1968 kreierte Form der Klapprade, ein nahezu beliebig zusammensteckbares Zwittergebilde zwischen Plastik und Grafik das uns auffordert, ganz handgreiflich mit Editha Pröbstles Kunst zu spielen…Die Klapprade, die der Dichterin der „Judenbuche“ gewidmet ist, gehört zu den ersthaftesten und vielleicht sogar berührendsten. Annette von Droste Hülshoff, man möchte fast sagen, männliche“ Dichtung steht in fast tragischem Widerspruch zu ihrer schwachen, leidenden physischen Konstitution. „Annettchen gewidmet – oder: Der Mensch ist Gott gegenüber verantwortlich“ titelt sie Editha Pröbstle in zärtlich-respektvoller Verehrung…. Die Autorin der „Judenbuche“ schrieb die Verse, in den sie imaginär, von Rolle und Status befreit, ihr offenes Haar im Wind flattern lässt- starke und kämpferische Töne. Eine vergleichbare Freiheit und Beweglichkeit ermöglichen ihr die Schlittschuhe, mit denen Editha Pröbstle sie ausstattet: ein kühnes Hinweggleiten aus den Fesseln ihrer Standes, ihres Geschlechtes, den Zweifel an ihrem Können und hinaus über die Grenzen ihrer schwachen Konstitution. Die Schlittschuhe sind nicht nur Metapher, sondern auch lebensgeschichtliche Assessoires: …Und wieder scheint die Künstlerin der Dichterin ein fürsorgliches Geschenk zu machen. Sie gibt ihr Kappe und Muff aus echtem Fell, damit sie ja nicht friere bei ihren kühnen Läufen in Eiseskälte auf dem zugefrorenen Bodensee…
Schon früh lobt ihr Düsseldorfer Akademieprofessor Rolf Sackenheim in einer Katalognotiz „die Konsequenz des Vorgehens und bei aller Lebendigkeit der Darbietung die rationale und kontrollierte, verdichtete Verwendung des Materials.“ Was Sackenheim schon früh bemerkte, das nämlich das räumliche Element in Edithas Holzschnitten aus der Fläche ausbrechen möchte, kann als eine der Wurzeln gelten, die später zur Idee der Klapprade geführt haben…