EDITHA Pröbstle, Bildhauerin bei der Ausstellung in Mainz SWF 2012EDITHA Pröbstle mit Hen-Hen, Entente und Fifox
© 2013 EDITHA Pröbstle

 


Gedanken aus Eröffnungsveranstaltungen…

Dr. Gerhard Kolberg, Museum Ludwig, Köln anlässlich der Vernissage in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz, 1995 in Bonn .. in einer Kölner Ausstellung habe ich das Phänomen „Klapprade“ vorgestellt. Der Begriff ist sogar inzwischen gesetzlich geschützt. Er bezeichnet einige flächenhafte Elemente, die man zusammensteckt und die sich dann zu einer puzzleartigen Plastik, einer Klapprade, entwickelt. Der figurative Zuschnitt verschiedener Motive geben viel zu entdecken. Wer die Klappraden begreifen will, muss sich zum Teil tief bücken, muss sie umschreiten, um hinter die gestalterischen Geheimnisse von EDITHA zu kommen. Wer eine solche Klapprade von EDITHA besitzt, muss auch sicherlich Humor besitzen, wie es einer ihrer Titel „ die Bonner Bauchbinde“ verrät und dort gestalterisch kreativ sich mit verschiedenen Variationen des Umsteckens oder neu Ordnens sich beschäftigt. Auf ihren visuellen und gedanklichen Wegen möchte ich sie aber alleine durch die farbigen Holzschnitt-Imaginationen von EDITHA Pröbstle schicken, denn ich möchte ihre Aufmerksamkeit auf die Bildhauerin EDITHA Pröbstle lenken. Schon damals waren wir von den  wenigen kleinen Bronzeplastiken der Künstlerin begeistert gewesen...
Jutta de Vries, Kunstverein Stade anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Ein Stückchen von EDITHA“ in der Staatskanzlei Mainz, 7. September 2000 …spätestens seit Joseph Beuys – der übrigens für kurze Zeit Edithas Lehrer an der Düsseldorfer Akademie war – wissen wir ja, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Uns so wird durch Ihr energetisches kompositorisches Handeln ein Kunstwerk, eine Klapprade, entstehen, die für diesen Abend und das Thema dieser Ausstellung ein Zeichen setzt – und die es danach nie wieder geben wird, da Ihr „Stückchen von Editha“ ein Geschenk ist, das Sie heute Abend mitnehmen dürfen….Und Edithas Kunst ist ein Ereignis, meine Herren und Damen. Neben den Zeichnungen, Gouachen, Holzschnitten und Bronzen sind es unzweifelhaft die Klappraden, die unsere besondere Aufmerksamkeit haben, diese aufreizenden Gebilde, die Edithas ureigen Bild-Erfindung sind. Klapprade heißt Übertragung des Holzschnitts, der Collage, der Zeichenspur und der farbigen Fläche in die Dreidimensionalität; mit dem Prinzip Assemblage gelingt der bewegliche Sprung der unterschiedlich geformten Einzelteile. Sie haben ja alle so ein „Stückchen“ – zu variabler Gestaltung von körperhaftem Aufbau und dem ihn umgebenden und durchdringenden Raum. Trotz des kompakten Basismaterials Holz, auf das die handabgezogenen Holzschnitte aufkaschiert sind, wohnt diesen dramatisch bewegten Gebilden eine luftige Heiterkeit inne. Die Entdeckung der Leichtigkeit wird noch durch andere Faktoren gefördert – da sind die Farbharmonien in poröser valeuristischer Lasur, die saftigen Farbkontraste in hartem Gegeneinander, die grafischen Gespinste, die einander vielfältig überlagern und aus Schrift- und Gegenstandskürzel auf den ersten Blick in die Abstraktion führen. Erst bei genauem Augenschein erkennt man den bedeutungsstarken Gegenstandbezug, dessen gesellschaftliche Aktualität oder historische Reminiszenz stets eine Fülle von Informationen, Geschichten und Schmunzelmomenten für den Betrachter bereithält…
Dr. Thomas Köllhofer, Mannheimer Kunsthalle anlässlich einer Eröffnung im Schloss ob Ellwangen, Kunstverein Ellwangen, Juli 2001 …Die Künstlerin schafft Farbholzschnitte, die sie dann in bestimmten Formen ausschneidet und auf dünnen Holzplatten kaschiert. Betrachtet man sich die auf der Einladungskarte abgedruckte Arbeit „Jahre rückwärts gesehen“, so werden wir unschwer gewahr, dass die Formen vorher bestimmt sind und sich nicht rein zufällig ergeben. Die Räder sind Räder und alle anderen Elemente erinnern durch die Form an eine ursprüngliche Funktionalität von Gegenständen eines Autos. Und doch sieht das ganze eher aus wie ein archaisches Vehikel, wie irgendetwas, was auf fast unerklärliche Weise mal zum Fahren getaugt haben könnte. ...allerdings wird bei Editha Pröbstle alles Gegenständliche dinglich gebunden. Die Bilder der gesamten Erscheinungen aber sind in ihrer Formensprache meist so reduziert, dass sie an das vereinfachte Vokabular kindlicher Bildsprachen erinnert. So haben die einzelnen Elemente einer 1989 entstanden Klapprade „Schirmfrauschaften“ die Formen von aufgeklappten Schirmen, deren Bild sich aber auch zu Faltern oder anderen Assoziationen wandeln kann. Die derart scheinbar aus einer größeren Form geschnittenen Elemente spielen interessanter Weise mit einem Bildvokabular das wiederum ganz dem Holz- und Linolschnitt, also den flächigen Hochdrucktechniken eigen ist. Es ist dies das freistehen einzelner Bildvokabeln vor der gesamten Fläche.  Das Schneiden, zerteilen und vereinzeln der Bildelemente spielt bei den Klappaden von Editha Pröbstle eine zentrale Rolle. Die Künstlerin findet sich nicht mit der Zweidimensionalität des Holzschnittes ab. Indem sie die Farbholzschnitte auf in eigenen Formen gebrachte Holzplatten kachiert, diese dann in einem räumlichen Stecksystem zusammenfügt, greift sie in den Raum, schafft sie Objekte, die sich zwischen der Fläche und dem ganz dinglich gefüllten Raum bewegen. Sie greift das älteste Problem des Holzschnittes, die Flächigkeit auf, betont es einerseits durch den scherenschnitthaften Charakter der Einzelelemente und löst es aber auch auf, indem sie diese Flächen dann zu dreidimensionalen Ensembles zusammenstellt. Editha Pröbstle ist damit noch lange nicht am Ende eines spielerischen Umgangs mit alten Gattungsbegriffen. (mehr davon können Sie im Klappradenkatalog lesen..)
Dr. Regina Erbentraut, Museum Schloss Güstrow anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Spiegelung der gefächerten Freude“ (Literatur) in Düsseldorf-Kaiserwerth, 12. Oktober 2002 …nie verzichtet Editha Pröbstle auf das titelgebende Wort, auf einen Verb als schöpferischen Kurzkommentar, auf einen kleinen Schubs für die Betrachterfantasie. Man wird keiner Arbeit von ihr begegnen, die auf der Ausstellungsbeschilderung mit „Komposition Nr. 5“ oder gar „ohne Titel“ bezeichnet wäre. Sprachspiel und phonetische Lust sind gewissermaßen das Tüpfelchen auf dem I ihrer Kunst. Die Werktitel verstehen sich als Einladung zu freiem Gedankenspiel, ähnlich wie ihre seit 1968 kreierte Form der Klapprade, ein nahezu beliebig zusammensteckbares Zwittergebilde zwischen Plastik und Grafik das uns auffordert, ganz handgreiflich mit Editha Pröbstles Kunst zu spielen…Die Klapprade, die der Dichterin der „Judenbuche“ gewidmet ist, gehört zu den ersthaftesten und vielleicht sogar berührendsten. Annette von Droste Hülshoff, man möchte fast sagen, männliche“ Dichtung steht in fast tragischem Widerspruch zu ihrer schwachen, leidenden physischen Konstitution. „Annettchen gewidmet – oder: Der Mensch ist Gott gegenüber verantwortlich“ titelt sie Editha Pröbstle in zärtlich-respektvoller Verehrung…. Die Autorin der „Judenbuche“ schrieb die Verse, in den sie imaginär, von Rolle und Status befreit, ihr offenes Haar im Wind flattern lässt- starke und kämpferische Töne. Eine vergleichbare Freiheit und Beweglichkeit ermöglichen ihr die Schlittschuhe, mit denen Editha Pröbstle sie ausstattet: ein kühnes Hinweggleiten aus den Fesseln ihrer Standes, ihres Geschlechtes, den Zweifel an ihrem Können und hinaus über die Grenzen ihrer schwachen Konstitution. Die Schlittschuhe sind nicht nur Metapher, sondern auch lebensgeschichtliche Assessoires:  …Und wieder scheint die Künstlerin der Dichterin ein fürsorgliches Geschenk zu machen. Sie gibt ihr Kappe und Muff aus echtem Fell, damit sie ja nicht friere bei ihren kühnen Läufen in Eiseskälte auf dem zugefrorenen Bodensee… Schon früh lobt ihr Düsseldorfer Akademieprofessor Rolf Sackenheim in einer Katalognotiz „die Konsequenz des Vorgehens und bei aller Lebendigkeit der Darbietung die rationale und kontrollierte, verdichtete Verwendung des Materials.“ Was Sackenheim schon früh bemerkte, das nämlich das räumliche Element in Edithas Holzschnitten aus der Fläche ausbrechen möchte, kann als eine der Wurzeln gelten, die später zur Idee der Klapprade geführt haben…
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